Nico Raschiks Dokumentarfilm "Here We Come" behandelt ein kaum bekanntes Phänomen: Breakdance in der DDR. Der Film zeigt die Geschichte einer Generation, die sich hinter der Mauer ihre eigene Welt schuf.
Die DDR in den 80ern. Für Jugendliche wie Simo, Magic Mayer und Beatschmidt ist Breakdance ihre Heimat und Hip Hop ihr Lebensinhalt: "In jeder Sekunde tanzen können." Trotz Stasi, Diktatur und Sozialismus gehen sie ihren eigenen Weg. Sie treffen sich zum Tanzen an Straßenkreuzungen, schneidern sich ihre Puma-Trainingsanzüge selbst und tragen Graffiti mit dem Pinsel auf, weil es keine Sprühdosen gibt. Die Tanz-Bewegungen haben sie sich aus Film und Fernsehen abgeschaut, Initialzündung ist eine Körperwelle aus einem New York-Beitrag des ZDF-auslandsjournals. Die Crews treten in Wettkämpfen gegeneinander an.
Zuerst als Underground ausgegrenzt und der Willkür der Polizei ausgesetzt, entwickelt sich Breakdance zu einer wichtigen Jugendkultur in der ehemaligen DDR. Die Behörden müssen dem Druck der Begeisterung bald nachgeben und dem "Akrobatischen Showtanz" ihren Segen geben - legitimiert als Solidarisierung mit den unterdrückten Minderheiten in den USA. Tausende tanzen in den FDJ-Jugendclubs mit selbstbemalten Turnschuhen zu selbstgebastelter Musik, mit manipulierten Kassettenrekordern hergestellt.
Öffentliche Meisterschaften werden abgehalten und die "Planet Dance Crew" aus Chemnitz schafft es sogar in die Samstagabendshow des DDR-Fernsehens. Nach der Vereinnahmung durch den Staat werden vormals illegale Breaker zu gutbezahlten Unterhaltungskünstlern und flächendeckend auf Tournee geschickt - bis zu Honecker in den Palast der Republik. Andere wollen mit dieser Kommerzialisierung nichts zu tun haben, sondern zurück zu den Wurzeln. Und dann kommt die Wende ...
Montag, 2. November 2009, 00.20 Uhr
Buch, Regie: Nico Raschick
Kamera: Björn Knechtel
Schnitt: Sven Kulik
Musik: Opossum & B-Side The Norm, Barry Künzel, Olaf Kretschmann/Marco Bürkner ("Electric Beat Crew"), FMK, Stefan Schwalbe und andere
Producer: Nico Raschick, Tobias Lindörfer
Produktion: Filmakademie Baden-Württemberg
Redaktion: Christian Cloos
Länge: 84 Minuten
"Here we come - Breakdance in der DDR" erzählt die Geschichte dieser ostdeutschen "Generation Breakdance" aus den Erinnerungen der Akteure und mit einer Fülle sehenswerten Archivmaterials, angereichert durch animierte Sequenzen.
Der Dokumentarfilm gibt lebendige Einblicke in ein bisher unbekanntes Phänomen und liefert ein überraschendes Bild der DDR. Er erzählt auf mitreißende Weise davon, wie man sich mit Leidenschaft und Kreativität etwas Eigenes schaffen und daran festhalten kann - unabhängig von allem, was einen umgibt.